Spenden erbeten !

Die Frankfurter Tafel freut sich über alle große und kleine Spenden!

Bankverbindung:

Frankfurter Volksbank
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DE91 5019 0000 0077 0089 26
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Spenden erbeten auch für Diesel !

Das Geld wird knapp für die monatlichen Dieselkosten von ca. EUR 4.500,–.

Bitte unterstützen Sie unsere gemeinnützige Einrichtung, die jeden Monat über 23.700 Mitmenschen mit Lebensmitteln hilft, wenn die Bedürftigkeit nachgewiesen wurde. Sicher ist es auch für Sie ein Anliegen, daß wir weiterhin diese Aufgabe erfüllen können. Auch in unserer Stadt gibt es menschliche Probleme!

Schauen Sie mit uns hin und helfen Sie der Frankfurter Tafel und somit den Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft stehen.

“Ich habe Angst, abzurutschen”

Sie sind gut ausgebildet, sie schicken eine Bewerbung nach der anderen los, sie wollen nicht aufgeben. Aber sie spüren: Es fehlt nicht viel und sie gleiten in die so genannte “Unterschicht”. Zwei Frankfurter erzählen.

“Könnte ich bitte das kleine runde Brot bekommen?” Ein Künstlertyp mit Schnauzbart und Schiebermütze steht an der Lebensmittel-Ausgabe der Frankfurter Tafel. Er kann heute sogar wählen, denn das Angebot ist üppig. Hinter dem Mann stehen 150 Wartende, die sich bei der caritativen Organisation im Hof der Maria Hilf Gemeinde im Gallus kostenlos Lebensmittel abholen. Während der Tafel-Mitarbeiter zwei Tüten füllt, schaut der Mann mit der Kappe verlegen nach den Regenwolken am Himmel.

“Es ist mein größter Wunsch, hier nicht mehr herkommen zu müssen”, sagt Klaus N. (Name geändert). Er fingert eilig am Schloss seines Fahrrads, als wollte er so schnell wie möglich von hier verschwinden. Er stellt sich als frei schaffender Grafiker vor. “Gut ausgebildet, zwei Mal 14 Tage Bewerbungstraining, neueste Macintosh-Kenntnisse”, spult er schnell ab. “Aber die sehen doch nur mein Geburtsdatum und legen die Mappe weg”, sagt der 51-Jährige. “Jede Bewerbung kostet mich inzwischen eine Wahnsinns-Überwindung. Die Haut wird bei so vielen Ablehnungen verdammt dünn.”

Mehrere Ausgabestellen

Klaus N. darf zur Tafel gehen, weil er einer von rund 50 000 Inhabern des Frankfurt-Passes ist. “Aber es kommen nicht alle zu uns”, sagt Edith Kleber, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Vereins. “Zurzeit nutzen rund 1500 Pass-Inhaber unsere Ausgabestellen.” Tendenz steigend. In Klaus N.’s Leben heißt es seit sechs Jahren: “Tendenz fallend.” Er sei als Grafiker gefragt gewesen, erzählt er. Plötzlich gingen die Aufträge zurück. “Ich dachte immer: Du musst nur gut sein, dann hast du Arbeit.” Er fuhr drei Jahre nachts Taxi. Tagsüber wollte er Kontakte zu Agenturen pflegen. “Aber ich war viel zu kaputt.” Jobs beim Messebau folgten, N. war sich “für nichts zu schade”. Seit dieser Zeit hat sich entwickelt, was ihn heute fast arbeitsunfähig macht: Schwere Depressionen. Er sei in Therapie, aber die helfe ihm nicht. “Ich brauche einfach nur ausreichend Arbeit.” Fast alle Kontakte hat er abgebrochen. Teils mag es krankheitsbedingt sein. “Aber es ist mir auch einfach peinlich, jemand zu mir einzuladen. Es ist peinlich, kein Geld für ein Bier oder eine Eintrittskarte zu haben. Es ist mir peinlich, in welchen Kleidern ich herumlaufe.” Zur aktuellen Diskussion in Deutschland sagt er: “Ich bin Unterschicht und ich will auch so genannt werden. Denn ich weiß nicht, ob ich jemals wieder darüber bestimmen kann, was aus meinem Leben wird.”

Edith Kleber von der Frankfurter Tafel stört an der Armuts-Diskussion vor allem das kurzzeitige Interesse. “In zwei Monaten spricht doch keiner mehr darüber.”Es solle sich aber jeder bewusst sein, dass er schnell selbst in die Situation kommen kann. Eine abgeschlossene Berufsausbildung hat auch Friderieke R.. Die Altenpflegerin steht zum ersten Mal hier und fühlt sich sichtlich unwohl: “Die gucken mich doch schräg an und denken: ,Die ist dick, was will die hier?’” Aber seit Oktober ist der Geldbeutel der arbeitslosen Mutter einer fünfjährigen Tochter leer. “Ich bekomme 900 Euro Arbeitslosengeld, mein Partner verdient als Lkw-Fahrer knapp 700. Das reicht oft nicht.” Kurz nach der Kündigung im August lebten sie noch von Ersparnissen, die Eltern halfen aus. Jetzt sei sie froh, alle 14 Tage bei der Frankfurter Tafel Lebensmittel zu bekommen: “Ich bin dankbar, dass es so was gibt. Auch wenn mein Mann findet, dass es nicht schön ist, dass ich hierher gehe.” Der Lohn als Altenpflegerin in Teilzeit war nicht viel höher als das Arbeitslosengeld II. Trotzdem nennt Friderieke R. ihre Kündigung den Punkt, an dem die wirtschaftliche Situation der Familie gekippt ist. “Ich war einfach nicht so flexibel, die Kleine war in der Zeit oft krank, eine Konkurrentin hatte kein Kind”, erklärt sie sich die Kündigung in der Probezeit.

Angeknackstes Selbstbewusstsein

Seitdem kauft die junge Frau nur noch im Billig-Discounter ein, und schaut – “auch wenn’s schlimm ist” – nach Lebensmitteln, die vor dem Verfallsdatum sind. Ab Herbst wird Salat zum Luxusartikel. Die Unterschichts-Debatte nagt an ihrem Selbstbewusstsein. “Irgendwie gehören wir schon dazu”, sagt sie. “Ich fühle mich in einem ekelhaften Zwischenstadium.” Darin schwingen trotz Ekels die Hoffnung und der Wille mit, wieder hochzukommen. “Ich wäre glücklich, wenn wir in unserer Drei-Zimmer-Wohnung in Griesheim bleiben könnten”, sagt Friderieke R. Sie kostet 640 Euro warm. “Das wäre der Himmel auf Erden. Sie wünscht sich einen Teilzeitjob, “egal was” und für den Mann eine lukrative Fahrt zusätzlich in der Woche. Aber ihre Bewerbungen bei den Discountern toom, Penny und Plus kamen allesamt nach einiger Zeit zurück. Trotzdem ist die 27-Jährige noch immer voller Lebenskraft. “Ich habe solche Angst, ganz abzurutschen”, erzählt sie.

Stand: 07.12.2006, Quelle: Von Annegret Schirrmacher, Frankfurter Rundschau